Dr. Kay Paulus

Wo stecken wir uns an?

Liebe Freunde, ich kanns nicht mehr hören. „In XY stecken sich nur soooo wenige an, daher ist das sicher“. Nein!

Ich habe euch mal ein etwas anderes Bild als sonst gemalt. Rechts seht ihr das Bild, das man euch sonst immer zeigt. Da sieht man den Anteil der nachvollziehbaren Infektionen.

Das ist aber nur 27% aller Corona-Infektionen! Es gibt eine riesige „Grauzone“, die ich mal im Kreisdiagramm grau gemalt habe, wo man sich nicht mal getraut hat, zu raten, wo eine Infektion vielleicht entstanden sein könnte. Natürlich kann man oft eine Infektion auch gar nicht genau einem Punkt zuordnen: Hat man sich nun am Arbeitsplatz, bei der U-Bahnfahrt zur Arbeit oder bei der privaten Zigarette mit dem Kollegen nach Feierabend angesteckt? Das wird man nie heraus finden können.

Gehen wir mal die einzelnen Punkte durch:

– Altenheime: Viele immunschwache Menschen, die sich leicht anstecken. Bewohner, Mitarbeiter und Besucher bekannt. Hier ist es einfach, Infektionen zuzuordnen, kaum „Grauzone“ zu erwarten.

– Flüchtlingsheime: Gilt dasselbe.- Sonstige Wohnstätten: Die Leute, die Du in Deine Wohnung lässt, kennst Du normalerweise. Infektionsketten sind hier also einfach nachvollziehbar.

– Medizinische Einrichtungen: Auch hier sind Mitarbeiter und Patienten bekannt.- Arbeitsplatz: Kollegen und Besucher sind bekannnt.- Tagesstätten: Festes Personal, fester Besucherkreis.

– Freizeit: Meistens kennt man die Menschen, mit denen man in seiner Freizeit näher Kontakt hat, manchmal aber auch nicht. Grauzonen-Potential vorhanden.

– Gastronomie: Theoretisch alle Anwesenheiten belegbar, praktisch werden oft Daten unvollständig, wissentlich falsch oder unleserlich angegeben. Eine Studie aus Hamburg geht davon aus, dass nur ca 2/3 der Datensätze korrekt sind. (https://www.t-online.de/…/hamburg-grossteil-der…) Hier herrscht keine Maskenpflicht, Menschen sind oft stundenlang auf engstem Raum zusammen. Großes Grauzonen-Potential.

– Übernachtungen: Kleiner Anteil, wo soll man sich bei einer Übernachtung auch groß anstecken? Daten wohl meistens bekannt.

– Verkehrsmittel: Hier sollen die Zahlen so klein sein, dass man sie in meinem Bild nicht mal mehr sieht. Hier ist allerdings keine Nachverfolgung möglich. Großes Grauzonen-Potential in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wenn man sich die Daten so ansieht, kommt man wohl eher zu folgendem Ergebnis: Da, wo man die Menschen in seiner Umgebung kennt, sind Infektionsketten leichter nachvollziehbar. Daher tauchen dort die meisten Fälle auf. Aus Cases, wo man seine Umgebung in der Regel nicht persönlich kennt, finden sich nur sehr wenige Fälle.

Für die Risikobewertung einzelner Settings hat diese Datenerhebung daher leider nur sehr geringe bis keine Aussagekraft. Hier sollte man sich weiter auf die Wissenschaft und die möglichen Ausbreitungsparameter von Aerosolen verlassen. Dabei ist leider Fakt, dass sich Aerosole mit relevanten Viruskonzentrationen ohne Maske jederzeit ca. 5m weit um eine Person ausbreiten können. (z.B. https://www.medrxiv.org/con…/10.1101/2020.08.03.20167395v1), beim Husten sind sogar 8m möglich: (https://www.zm-online.de/…/studie-wind-traegt-viren…/). Ohne Maske treffen wir im Wesentlichen nur noch in der Gastronomie und bei kulturellen Veranstaltungen in nennenswerter Zahl zusammen. Daher ist damit zu rechnen, dass diese bei der Verbreitung des Virus eine große Rolle spielen.

Auch das Argument „Dann feiern die Leute eben zu Hause ohne Regeln, das ist viel schlimmer“ kann nicht überzeugen. Vergleichen wir die Situationen:

Es treffen sich im Privaten 10 Menschen, die sich persönlich kennen, um einen Geburtstag zu feiern. Sollte dabei eine Person infiziert sein, sind die Kontakte einwandfrei nachvollziehbar.

Nun lassen wir die gleiche Feier im Saal einer Gastwirtschaft stattfinden. Wie viele Menschen sitzen hier wohl im Umkreis von 5m um den Tisch unserer Gesellschaft, die keine Maske tragen und sich jederzeit infizieren könnten? Und wie viele davon haben wohl falsche Kontaktdaten angegeben und könnten im Ernstfall nicht rechtzeitig informiert werden?

Ja, es ist schmerzhaft, sowohl für die Gastwirte als auch für uns als Gäste. Sowohl für die Kulturschaffenden als auch für uns Zuschauer. Aber die aktuellen Maßnahmen der Bundesregierung sind leider sinnvoll und notwendig. Schon jetzt werden die Intensiv-Krankenbetten regional knapp, und was exponentielles Wachstum ist, habe ich ja schon einmal erklärt.

Seid keine Egoisten, passt auf euch und eure Lieben auf und bleibt gesund!

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